„Sag mal Janna, wo gravelst du eigentlich am liebsten?“ – Diese Frage landet so oft in meinem Postfach, dass es Zeit wurde, meine absoluten Herzensrouten für euch zusammenzuschreiben.
Das Allgäu ist für mich mehr als nur eine Kulisse. Es ist der Ort, an dem ich den Kopf ausschalte, sobald der Reifen den ersten Schotter berührt. Das Graveln ist für mich die perfekte Verbindung aus sportlicher Herausforderung und diesem tiefen Freiheitsgefühl. Mal ist es das einsame Rollen durch neblige Täler am frühen Morgen, mal der steile Anstieg, der die Lungen brennen lässt, bevor der Blick auf die Gipfel alles wieder gutmacht. Hier sind sie, meine Favoriten – persönlich, ehrlich und garantiert mit einer ordentlichen Portion Allgäu-Liebe.
1. Die Wilde: Nagelfluh-Gravel ins Herz des Naturparks
Nagelfluh-Gravel: Von der Iller direkt in das wilde Herz des Naturparks. Diese Runde ist für mich die Definition von „riiiichtig geil“ – fordernd, abwechslungsreich und landschaftlich einfach unschlagbar. Wir starten in Sulzberg (nahe Kempten) und rollen uns erst mal ganz entspannt auf dem Iller-Radweg flussaufwärts bis Immenstadt ein, bevor das Abenteuer so richtig beginnt.
Entlang des Großen Alpsees geht es Richtung Oberstaufen, doch der wahre Charakter der Tour zeigt sich erst, wenn wir tief in den Naturpark Nagelfluhkette eintauchen. Hier ändert sich alles: Die Zivilisation bleibt zurück, die Wege werden steiler und der Schotter unter den Reifen griffiger. Durch das wunderschöne, einsame Ehrenschwanger Tal arbeiten wir uns Stück für Stück hoch bis zur Alpe Mittelberg. Kleiner Tipp von mir: Auch wenn die Hütte mal im Dornröschenschlaf liegt, rettet einen oft der kühle Getränkekühlschrank vor der Tür. Den Abstecher zum Kemptener Naturfreundehaus solltet ihr aber auf keinen Fall auslassen – nicht nur für die Beine, sondern für diesen einen Panorama-Moment und eine wohlverdiente Kuchenpause.
Nach einer rasanten Abfahrt zurück nach Immenstadt führt uns der Rückweg über Untermaiselstein und die Rottach. Auf einsamen Feldpassagen und belebten Panoramawegen lassen wir die Tour ausklingen. Es ist eine Runde, die ordentlich in die Beine geht, aber die Seele zu 100 % wieder auflädt.
- Charakter: Alpin, fordernd & einsam
- Highlight: Das Gefühl, im Ehrenschwanger Tal ganz allein mit sich und den Bergen zu sein.






2. Die Genussvolle: 8-Seen-Runde ab Pfronten
Wasser, Weitblick und feinster Schotter: Diese Runde ist für mich die pure Belohnung nach einer langen Woche. Es müssen nicht immer die ganz großen Namen wie der Forggensee sein, um dieses besondere Allgäu-Gefühl zu finden. Manchmal liegt das wahre Glück viel eher an den kleinen, stillen Weihern, die sich fast schüchtern in der sanften Hügellandschaft verstecken.
Für mich fühlt sich diese Tour jedes Mal wie eine kleine Zeitreise an. Wir starten ganz entspannt am Bahnhof in Pfronten und lassen den Alltag mit den ersten Kurbelumdrehungen hinter uns. Schnell tauchen wir ein in ein Netz aus schmalen Sträßchen und versteckten Schotterwegen. Das absolute Highlight? Definitiv der Abschnitt zwischen dem Trollweiher und dem Luimooser Weiher. Hier knirscht der Kies so perfekt unter den Reifen, während links und rechts das Schilf leise im Wind weht – ein Moment, in dem man am liebsten die Zeit anhalten möchte.
Ob ein mutiger Sprung ins kühle Nass am Schwaltenweiher oder ein wohlverdienter Kässpatzen-Stopp am Kögelhof(der kurze Abstecher lohnt sich wirklich immer!): Diese Tour ist für mich die Definition von Genuss-Graveln. Es ist ein ständiges, motivierendes Auf und Ab – mal durch schattige Wälder, mal über weite Wiesen, aber immer mit dem Alpenkamm fest im Blick.
- Charakter: Seen-Sucht & pure Idylle
- Tipp: Packt die Badesachen ein! Bei acht Weihern findet jeder seine perfekte Bucht für eine Pause.





3. Die „Steil ist Geil“-Runde: Alter Jochpass & Tannheimer Tal
Es gibt Wege, die muss man als Gravel-Fan einfach mal gefahren sein. Die Kombination aus der geschichtsträchtigen Alten Jochpassstraße und einer (halben) Umrundung des Tannheimer Tals stand schon ewig auf meiner Liste – und was soll ich sagen? Es hat sich mehr als gelohnt!
Diese Tour verkörpert das Motto „Steil ist geil“ perfekt. Wir starten in Bad Hindelang und der Anstieg über den Alten Jochpass fackelt nicht lange: Er ist knackig und fordert die Beine direkt heraus. Aber genau das macht für mich den Reiz aus – dieses ehrliche Arbeiten am Berg, fernab vom Autoverkehr der modernen Passstraße.
Oben angekommen, ist das Brennen in den Waden sofort vergessen. Es öffnet sich die weite Kulisse des Tannheimer Tals, und wir graveln auf feinstem Schotter, während wir die markanten Gipfel wie die Rote Flüh oder den Gimpel immer fest im Blick haben. Besonders im Herbst, wenn die Luft kristallklar ist und sich die Lärchen goldgelb verfärben, ist die Stimmung hier oben fast magisch. Mein kleiner Extra-Tipp: Wem die Höhenmeter noch nicht gereicht haben, der macht zum Abschluss noch den Abstecher zum Café Polite. Es ist ein letzter, zäher Anstieg, aber die Aussicht und die Belohnung dort oben sind jeden Tropfen Schweiß wert!
- Charakter: Berg-Herausforderung & Panorama-Garantie
- Highlight: Die geschichtsträchtige Auffahrt am Jochpass – Graveln auf historischen Pfaden.





4. Die Königsetappe: Große Ammergauer Alpen Umrundung
Es gibt Touren, die stehen ewig auf der Wunschliste – und wenn man sie dann endlich fährt, liefern sie einfach nur ab. Die Umrundung der Ammergauer Alpen ist genau so ein Erlebnis. Für mich ist diese Runde ein absoluter Gravel-Traum zwischen dem Allgäu und Oberbayern: großzügig, abwechslungsreich und perfekt für alle, die lange Tage im Sattel lieben.
Besonders die Abschnitte zwischen dem Plansee und Griesen sowie die Strecke zwischen Altenau und Buching sind purer Genuss. Hier erwartet dich griffiger Schotter, das leise Rauschen der Natur und dieses unvergleichliche Gefühl von Freiheit, das man nur auf zwei Rädern findet.
Aber wer mich kennt, weiß: Für einen perfekten Tag braucht es mehr als nur schöne Kilometer. Es sind die kleinen Rituale, die es ausmachen. Ein Sprung in den glasklaren, eiskalten Plansee, ein wirklich guter Kaffee zwischendurch und als krönender Abschluss eine richtig geile Pizza direkt am Lech – dann bin ich ein glücklicher Mensch!
Ein kleiner „Janna-Tipp“ zur Strecke: Seid vorbereitet auf die Alte Etaler Straße. Der Schotter dort ist extrem grob und für die meisten eher eine Schiebestrecke. Wenn du keine Lust auf Tragen oder Schieben hast: Du kannst diesen Abschnitt ganz entspannt auf der parallel verlaufenden Straße umfahren.
- Charakter: Episches Abenteuer & Seen-Sucht
- Highlight: Das „Kanada-Feeling“ am Plansee und die einsamen Wege Richtung Griesen.





5. Die Grenzgängerin: Tannheimer Berge ab Pfronten
Ab Pfronten einmal rund um die markante Kulisse der Tannheimer Berge! Diese Runde ist für mich eine der abwechslungsreichsten Grenzziehungen zwischen Deutschland und Österreich. Sie führt uns über historische Pfade hoch hinaus und bringt uns auf fast vergessenen Wegen durch das malerische Vilstal wieder zurück.
Wir starten in Pfronten und lassen den Trubel der Orte ganz schnell hinter uns. Das erste große Highlight ist für mich definitiv der Alte Gaichtpass. Während sich die Autos auf der Passstraße drängen, schrauben wir uns fernab des Verkehrs auf dem historischen Weg nach oben ins Tannheimer Tal. Es ist einer dieser Wege, die heute wie für das Gravelbike gemacht scheinen – ein absoluter Traum aus Schotter und Geschichte.
Oben angekommen, öffnet sich das weite Panorama des Hochtals, bevor es in den zweiten, fast schon meditativen Teil der Tour geht: den Rückweg durch das Vilstal. Wer hier unterwegs ist, spürt sofort diese ganz besondere Ruhe. Die Vils plätschert leise neben einem her, der Schotter rollt fast von allein und die Berge rahmen den Weg perfekt ein. Besonders im Herbst, wenn die Luft so richtig klar ist und sich die Lärchen verfärben, ist diese Runde für mich pure Seelenpflege auf zwei Rädern.
- Charakter: Grenzüberschreitend, historisch & meditativ
- Tipp: Nehmt euch Zeit im Vilstal – es gibt kaum einen besseren Ort, um einfach mal tief durchzuatmen.




6. Die Wilde am Wasser: Halblech & Halbammer
Eintauchen in die Wildnis: Es muss nicht immer die 100-Kilometer-Marke sein, um glücklich zu werden. Manchmal reicht ein einziger Nachmittag, an dem man einfach „on the fly“ losfährt und sich vom Weg leiten lässt. Die Runde entlang von Halblech und Halbammer ist eine meiner absoluten Lieblingsrouten, wenn ich die Berge spüren, aber nicht unbedingt die steilsten Wände bezwingen will.
Das Besondere hier? Wir sind fast die ganze Zeit am Wasser unterwegs. Diese Tour verbindet echtes Bergfeeling mit dem sanften, stetigen Rauschen der Wildbäche. Das Türkis der Gumpen, das helle Kiesbett und die tiefgrünen, bewaldeten Hänge der Ammergauer Alpen schaffen eine Kulisse, in der ich sofort tief durchatme.
Die Wege sind wie gemacht für das Gravelbike – griffig, abwechslungsreich und mit genau der richtigen Portion „Draußen-Sein“, ohne dass es technisch zu kompliziert wird. Wer die Stille sucht und das Plätschern eines Wildflusses als Soundtrack liebt, wird diese Tour genauso ins Herz schließen wie ich. Es ist für mich die perfekte Runde, um die Akkus mal kurz zwischendurch aufzuladen.
- Charakter: Wildfluss-Romantik & pure Erholung
- Highlight: Das Spiel der Farben – vom hellen Kies bis zum tiefen Türkis des Wassers.




7. Die Feierabendrunde: Alter Salztrail & Kemptener Wald
Raus aus dem Alltag, rein in den Wald: Manchmal braucht es keine epische Tagestour, um das Glück auf zwei Rädern zu finden. Oft reichen diese zwei, drei Stunden nach der Arbeit, wenn die Sonne tief steht und das Licht golden durch die hohen Fichten bricht. Meine Runde durch den Kemptener Wald ist genau für diese Momente da – um den Kopf freizubekommen und den Tag entspannt im Sattel ausklingen zu lassen (oder ihn ganz frisch dort zu starten).
Wir folgen auf dieser Tour dem Alten Salztrail – ein Weg mit echter Geschichte, der sich heute wunderbar flüssig graveln lässt. Es ist ein herrlich entspanntes Rollen auf festem Waldboden und feinem Schotter. Extreme Steigungen suchst du hier vergeblich, dafür gibt es jede Menge frische Waldluft und dieses ganz besondere Gefühl von Ruhe, das man nur tief im Unterholz findet.
Für mich ist diese Runde eine Tour ohne Stress, dafür mit ganz viel Flow. Sie zeigt mir jedes Mal wieder, wie nah das Abenteuer direkt vor der Haustür in Kempten liegt. Durch die moderaten Höhenmeter und den vielen Schatten ist sie übrigens auch mein absoluter Retter an richtig heißen Sommertagen.
- Charakter: Flowig, schattig & geschichtsträchtig
- Tipp: Perfekt, wenn die Zeit knapp ist, aber die Sehnsucht nach Wald und Ruhe groß.





8. Die Frühlingsfrische: Kirchweihtalrunde ab Buchloe
Manchmal sind es nicht die steilen Felswände, die uns glücklich machen, sondern das sanfte Gelb der Löwenzahnwiesen und das erste warme Licht des Frühlings. Die Kirchweihtalrunde ist für mich die perfekte Tour, um die Radsaison im Allgäu einzuläuten. Wenn es in den Bergen oben noch weiß ist, kann man hier im Norden des Ostallgäus schon wunderbar durch die blühende Landschaft rollen.
Ich starte diese Runde am liebsten ganz früh am Bahnhof in Buchloe. Es hat etwas Magisches, wenn die Luft noch kühl ist, man den Reißverschluss der Windjacke fest zuzieht und zuschaut, wie die Sonne langsam die Tautröpfchen auf den Wiesen glitzern lässt.
Obwohl die Runde offiziell andersherum ausgeschildert ist, fahre ich sie gerne gegen den Uhrzeigersinn. Warum? Weil man so die Silhouette der Alpen direkt vor der Nase hat, während man Richtung Süden radelt. Es ist ein herrlich entspanntes Fahren auf gepflegten Radwegen, das nur kurz vor Untergermaringen unterbrochen wird: Hier tausche ich Asphalt gegen Schotter und kurble hoch zum Georgiberg. Die romanische St. Georgkirche dort oben ist ein echtes Schmuckstück und der perfekte Ort, um kurz innezuhalten.
Ein weiteres Highlight sind für mich die Weldener Weiher. Wenn man am Steg des Neuweihers sitzt, den Vögeln beim Singen zuhört und sieht, wie die ersten Knospen an den Bäumen aufbrechen, ist der Alltagsstress ganz weit weg. Den Rückweg über Waal säumen im Frühjahr oft leuchtende Rapsfelder – ein Farbrausch in Gelb, der zusammen mit dem Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Ammergauer und Allgäuer Alpen im Hintergrund einfach unschlagbar ist.
- Charakter: Sanftes Hügel-Hopping & Frühlingsgefühle
- Highlight: Die Ruhe an den Weldener Weihern und der weite Alpenblick über die Löwenzahnwiesen.
- Anreise: Super entspannt mit der Bahn zum Bahnhof Buchloe.



9. Die Ikone: Forggenseerunde mit Schlossblick
Ja, sie ist ein Klassiker. Und ja, man ist hier selten allein unterwegs. Aber wisst ihr was? Das hat einen verdammt guten Grund! Die Runde um den Forggensee ist für mich der Inbegriff von Allgäuer Postkarten-Idylle. Wenn du auf dem Gravelbike sitzt, das türkisblaue Wasser glitzert und im Hintergrund die Königsschlösser vor den steilen Gipfeln auftauchen, dann weißt du wieder, warum wir diese Region so lieben.
Die Strecke ist herrlich flüssig zu fahren. Wir rollen über feinen Schotter und kleine Asphaltwege einmal rund um den größten Stausee Deutschlands. Was ich an dieser Tour besonders schätze, sind die unzähligen Möglichkeiten, einfach mal kurz anzuhalten, die Füße ins Wasser zu halten oder in einem der vielen Biergärten direkt am Ufer einen Stopp einzulegen. Es ist die perfekte „Gute-Laune-Runde“, wenn man einfach nur rollen und genießen will, ohne sich Gedanken über krasse Steigungen machen zu müssen.
- Charakter: Genuss pur & Panorama-Kino.
- Highlight: Der Blick vom Ostufer zurück auf Schloss Neuschwanstein und den Säuling – besonders schön im weiten Nachmittagslicht!





Praktische Infos & Planung für deine Gravel-Abenteuer im Allgäu
Alle Touren habe ich für euch in der Collection „Schotterglück & Weitblick: Allgäu Gravel“ auf Outdooractive zusammengestellt. Dort findet ihr die GPX-Tracks, Höhenprofile und aktuelle Hinweise.
Ein kleiner Appell: Als Bergliebhaberin liegt mir die Natur am Herzen. Bitte bleibt auf den (Rad)wegen, nehmt euren Müll wieder mit und nehmt Rücksicht auf Wanderer und Weidevieh. Dann haben wir alle am längsten Freude an den Bergen.
Anreise-Tipp: Viele der Touren starten direkt an Bahnhöfen wie Pfronten, Nesselwang oder Buchloe. Die Bahn ist dein bester Freund für einen stressfreien Tag ohne Parkplatzsuche!
