Das leise Klicken der Bindung, der eigene Atem in der kalten Morgenluft und dieses ganz besondere Knirschen, wenn die Felle den frischen Schnee greifen. Skitourengehen im Allgäu muss nicht immer extrem steil oder hochalpin sein. Manchmal sind es gerade die sanften Rücken und die kleinen Gipfel, die uns diesen einen Moment schenken, für den wir morgens so früh aufgestanden sind. Ich teile gerne drei meiner liebsten leichten Skitouren im Allgäu, die perfekt für dich sind, wenn du gerade erst mit dem Tourengehen anfängst oder einfach einen entspannten Tag am Berg suchst.
Wichtiger Hinweis für Wintertouren: Viele (Sommer)wege sind im Winter gar nicht oder nur sehr eingeschränkt erkennbar und können deutlich anspruchsvoller sein. Dazu kommt, dass die Tage kürzer sind und die Dunkelheit früher einsetzt. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Tourenplanung. Informiere dich vorab unbedingt über die aktuelle Lawinenlage, passe deine Route an die Verhältnisse an und nimm vollständige Lawinenausrüstung mit (LVS, Schaufel, Sonde). Sicherheit geht vor Gipfelziel.
Nützliche Links: Lawinenwarndienst Bayern | Lawinenreport Österreich | Lawinenbulletin Schweiz
1. Wertacher Hörnle im Oberallgäu: Der Klassiker mit Weitblick
Kurze, feine Skitour mit freier Abfahrt gefällig? Das Wertacher Hörnle im Oberallgäu ist mein Tipp für alle, die eine leichte, entspannte Tour suchen. Vom Parkplatz in Obergschwend aus geht es erst einmal gemütlich los. Man hält sich leicht links über die sanften Süd- und Südosthänge, vorbei an der Buchelalpe. Danach öffnet sich der Ostrücken und führt dich direkt zum Skigipfel auf 1.684 m. Die Belohnung? Ein Traum von einer Abfahrt über breite Südosthänge. Auf etwa 1.450 m wartet ein kurzes Waldstück – hier ist ein bisschen Geschick gefragt.
Mein Tipp: Wenn der Schnee im Wald mal wieder etwas knapp ist, keine falsche Scheu! Ich hab die Skier dort auch schon mal kurz geschultert. Sicherer als unfreiwilliges „Baum-Kuscheln“ ist das allemal, wenn man die Kurzschwünge noch nicht perfekt beherrscht 😉



⛰️ Startpunkt: Parkplatz Obergschwend (Sei früh da, der Parkplatz ist klein und beliebt)
↔️ Distanz Aufstieg: ca. 3 km
↕️ Höhenmeter Aufstieg: 650 hm
⏱️ Afstiegszeit: ca. 1,5-2 Stunden
✅ Abfahrtszeit: ca. 15-20 Minuten
⚡ Schwierigkeitsgrad: eicht, vergleichbar mit einer roten Piste (Waldstück beachten!)
⏸️ Einkehrmöglichkeit: Buchelalpe
❕ Öffis: Mit dem Bus (Linie 48) von Sonthofen oder Oberjoch bis Haltestelle „Obergschwend“
2. Buchenberg im Ostallgäu: Die Genuss-Tour mit Logenplatz
Wenn du wenig Zeit hast, eine entspannte Feierabendrunde suchst oder einfach mal ohne großen Höhenmeter-Stress die Aussicht genießen willst, ist der Buchenberg perfekt. Da ich meinen Winter in Halblech verbracht habe, bin ich hier super gerne mal eben schnell hochgestapft. Es ist einfach diese Art von Tour, die sich immer richtig anfühlt – egal ob nach der Arbeit oder als kleiner Bergsnack zwischendurch.
Mit gerade einmal 335 Höhenmetern ist der Aufstieg in jeder Hinsicht unkompliziert. Oft findet man hier schon eine gute Spur vor, was es gerade für den Anfang total angenehm macht. Aber keine Sorge: Ich habe den Buchenberg auch schon oft genug ganz ruhig erlebt, mit frischem Pulver, in dem man seine eigenen Schwünge ziehen kann.
Das Panorama: Die Aussicht oben am Gipfel ist schlichtweg geil. In die eine Richtung blickst du tief hinein in die wilden Ammergauer Alpen, in die andere Richtung liegt dir das sanfte Voralpenland mit seinen glitzernden Seen zu Füßen.



⛰️ Startpunkt: Talstation Buchenbergbahn (5€, Stand Winter 2026) oder der hintere Wanderparkplatz (kostenlos, wird nicht immer geräumt)
↔️ Distanz Aufstieg: ca. 2,5 km
↕️ Höhenmeter Aufstieg: 335 hm
⏱️ Afstiegszeit: ca. 45-60 Minuten
✅ Abfahrtszeit: ca. 10 Minuten
⚡ Schwierigkeitsgrad: leicht, blaue bis rote Piste (nicht immer präpariert)
⏸️ Einkehrmöglichkeit: Buchenberg Alm
❕ Öffis: Mit der Linie 73 (Füssen – Steingaden) bis Haltestelle „Buching, Sesselbahn“
3. Schönkahler im Ostallgäu: Grenzgänger-Tour im Einklang mit der Natur
Der Schönkahler (1.688 m) ist eine wunderbare Tour, um den Kopf freizubekommen. Er liegt genau auf der Grenze zwischen Pfronten im Allgäu und dem Tiroler Tannheimer Tal. Das Gelände ist hier wunderbar flach und weitläufig. Besonders toll: Der Schönkahler ist Teil des Projekts „Natürlich auf Tour“. Gemeinsam mit dem DAV wurden hier umweltverträgliche Routen angelegt, um die Rückzugsorte der Wildtiere zu schützen.
Sicherheit geht vor: Ich habe diesen Gipfel schon bei Kaiserwetter erlebt, aber auch bei widrigen Bedingungen. Bei meinem letzten Besuch pfiff oberhalb der Baumgrenze ein ordentlicher Wind, die Sicht war kaum vorhanden und die Lawinenlage angespannt. In solchen Momenten heißt es: Defensiv bleiben. Wir haben eine sehr vorsichtige Spur gewählt und die steileren Passagen gemieden. Auch das gehört zum Bergsteigen dazu – die Bedingungen zu lesen und die Tour anzupassen. Und die Abfahrt hat mit dem vielen neuen Pulver auf jeden Fall ganz viel Spaß gemacht!




⛰️ Startpunkt: Schönkahler Parkplatz im Achtal (5€, Stand Winter 2026)
↔️ Distanz Aufstieg: ca. 3,5 km
↕️ Höhenmeter Aufstieg: 680 m hm
⏱️ Afstiegszeit: ca. 2 Stunden
✅ Abfahrtszeit: ca. 25 Minuten
⚡ Schwierigkeitsgrad: leicht, oben weites und freies Gelände, der Wanderweg durch den Wald kan bei Vereisung recht unangenehm sein
⏸️ Einkehrmöglichkeit: keine
❕ Öffis: Schwierig direkt zum Startpunkt im Achtal; Anreise mit dem PKW empfohlen.
4. Rangiswanger Horn: Panorama-Genuss in der Hörnerkette
Das Rangiswanger Horn zählt zu den beliebtesten Skitouren der Allgäuer Voralpen. Gerade im Hochwinter bei großen Schneemengen ist dies ein geeignetes Ziel, um seine Schwünge in die Pulver-Hänge zu ziehen. Wegen der meist flach ansteigenden Flanken mit gelegentlich harmlosen Steilstufen eignet sich die Tour auch bei kritischer Lawinenlage oder schlechter Sicht. Für Anfänger ist dies ein super Einstieg, um sich an Skitouren ranzutasten.
Mein Tipp: Wir haben etwas weiter oben beim „Bergparkplatz Kahlrückenalpe“ geparkt, weil unten zu wenig Schnee lag. Aber Achtung: Der Weg hoch ist sehr steil! Bei viel Schnee parkt lieber unten. Und wenn ihr noch nicht genug habt: Fahrt Richtung Ostertal ab und steigt noch mal auf – der Hang ist schattig und mir hat die Abfahrt noch besser getaugt als die zurück nach Sigiswang.





⛰️ Startpunkt: Parkplatz Sigiswang (bei den Garagen der Kahlrücken Alpe 4€) oder Bergparkplatz Kahlrückenalpe (10€)
↔️ Distanz Aufstieg: ca. 4 km
↕️ Höhenmeter Aufstieg: ca. 750 m hoch
⏱️ Afstiegszeit: ca. 2 Stunden
✅ Abfahrtszeit: ca. 25 Minuten
⚡ Schwierigkeitsgrad: leicht
⏸️ Einkehrmöglichkeit: im Winter keine
❕ Öffis: Mit dem Zug bis Sonthofen, dann weiter mit dem Bus (Linie 47) direkt bis zur Haltestelle „Sigiswang“. Alternativ fahren deutlich mehr Busse bis „Ofterschwang Ortsmitte“ – von dort aus läufst du in etwa 15 Minuten gemütlich rüber zum Tourenstart in Sigiswang.
5. Grünten: Der Wächter des Allgäus abseits der Piste
Seit der vorübergehenden Stilllegung der Lifte hat sich der Grünten zum absoluten Magneten entwickelt. Um dem Trubel an der Talstation etwas zu entgehen, empfehle ich den Aufstieg vom Steinbruch aus. Über einen abwechslungsreichen Weg erreicht man die Grünten Hütte, wo mittwochs und freitags sogar Tourenabende stattfinden. Der Gipfelblick vom Jägerdenkmal reicht vom Hauptkamm bis weit ins Unterland.
Mein Tipp: Wir sind diesmal nur bis zur ehemaligen Bergstation gegangen. Dort haben wir ein Schneeprofil gegraben und entschieden: Der Gipfelhang war uns zu heikel. Umkehren gehört dazu! Wir sind stattdessen zur Alpe Kammeregg abgefahren, noch mal aufgestiegen und haben dann die komplette Abfahrt genossen.







⛰️ Startpunkt: Parkplatz Steinbruch in Kranzegg (3,50€ für 4 Stunden, Stand Winter 2026)
↔️ Distanz Aufstieg: ca. 3,5 km
↕️ Höhenmeter Aufstieg: 800 m hoch
⏱️ Afstiegszeit: ca. 2 Stunden
✅ Abfahrtszeit: ca. 25 Minuten
⚡ Schwierigkeitsgrad: leicht (Gipfelgrat etwas ausgesetzter und lawinengefährdeter)
⏸️ Einkehrmöglichkeit: Alpe Kammeregg oder Grüntenhütte (liegen beide nicht direkt am Aufstieg)
❕ Öffis: Mit dem Zug nach Immenstadt oder Sonthofen, dann mit dem Bus (Linie 63) bis zur Haltestelle „Kranzegg, Ort“. Von dort sind es etwa 10–15 Minuten zu Fuß zum Parkplatz am Steinbruch, wo der Aufstieg beginnt oder du startest bei genügend Schnee gleich unten.
6. Alpspitz & Edelsberg: Die entspannte Doppelpack-Skitour in Nesselwang
Diese Tour in Nesselwang ist perfekt für die Revisionszeit der Lifte oder wenn die angespannte Lawinenlage nicht viele Skitouren im Allgäu erlaubt. Dank der Skipiste im unteren Teil ist die Abfahrt unkompliziert, sicher und für Skitour-AnfängerInnen super geeignet. Die beiden Gipfel bieten sich auch bei etwas schlechteren Sichtverhältnissen an – auf dem Edelsberg wartet sogar ein Holz-Pavillon, in dem man windgeschützt rasten kann.
Mein Tipp: Wir haben beide Gipfel kombiniert und die unpräparierte Piste als echtes Tiefschnee-Erlebnis genutzt! Wenn die Lifte allerdings in Betrieb sind, steigt bitte nicht über die Piste auf, sondern wählt den Weg über Bayerstetten. Das ist entspannter und ihr kommt euch nicht mit den Skifahrern in die Quere.





⛰️ Startpunkt: Talstation der Alpspitzbahn, Nesselwang (5€ Tagesticket, Stand Winter 2026)
↔️ Distanz Aufstieg: ca. 3,5-4 km
↕️ Höhenmeter Aufstieg: 830 m
⏱️ Afstiegszeit: ca. 2 Stunden auf den Edeslberg, dann noch ca. 15 Minuten auf die Alpspitz
✅ Abfahrtszeit: ca. 5 Minuten vom Edelsberg und noch mal ca. 15 Minuten von der Alpspitz
⚡ Schwierigkeitsgrad: oben leicht, unten rote Piste
⏸️ Einkehrmöglichkeit: Sportheim Böck
❕ Öffis: Super entspannt mit der Außerfernbahn (Bahnstrecke Kempten–Pfronten–Reutte) direkt bis zum Bahnhof „Nesselwang“. Von dort läufst du in ca. 10 Minuten durch den Ort direkt zur Talstation der Alpspitzbahn
Checkliste: Sicher unterwegs auf deiner ersten Skitour im Allgäu
Damit dein Tag im Schnee wirklich zum Genuss wird, habe ich dir eine kleine Checkliste zusammengestellt:

- Ausrüstungs-Check: Sind die Felle sauber? Funktioniert das LVS-Gerät (Batterien!)? Hast du Sonde und Schaufel im Rucksack?
- Lawinenlagebericht (LLB) lesen: Checke am Vortag und am besten auch noch am gleichen Morgen immer die aktuelle Warnstufe. Bei leichten Touren wie diesen ist man oft sicherer unterwegs, aber „blind“ losgehen sollte man nie.
- Zwiebelprinzip: Beim Aufstieg wird dir schnell warm, am Gipfel zieht es oft. Pack eine Wechsel-Base-Layer und eine warme Jacke für die Pause ein.
- Respektiere die Natur: Bleib auf den markierten Routen und beachte die Wald-Wild-Schongebiete. Die Tiere brauchen im Winter ihre Ruhe.
- Frühstart: Gerade beliebte Parkplätze sind am Wochenende schnell voll. Wer früher startet, genießt zudem das schönste Licht!
Du möchtest deine ersten Skitouren lieber zuerst mit einem Guide machen? Buche dann einen Platz für die Lechtaler Skitouren Tage. Da habe ich nicht nur unglaublich viel gelernt, sondern auch als Anfängerin Touren gemacht, die ich alleine nie gemacht hätte.
