Wanderung in Oberstaufen: Krokusblüte am Hündle & Buchenegger Wasserfälle

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Ein Frühlingsschauspiel. So könnte man diese Wanderung am Hündle und zu den Buchenegger Wasserfällen in Oberstaufen zusammenfassen. Hügel voller lila Krokusse, das Plätschern von Bächen, beeindruckende Wasserfälle, die durh das viele Schmelzwasser tosen, der süße Duft von frisch gemähten Wiesen und der Kontrast zwischen grünen Wiesen und weißen Berggipfeln. Ich liebe den Frühling in den Alpen. Und das Schöne am Allgäu (Bayern) ist: Die mittleren Höhenlagen, z.B. in Oberstaufen, eignen sich perfekt zum Wandern im Frühling.

PS. Die Tour ist natürlich auch außerhalb vom Frühling schön!

Frühling pur: Wanderung zur Krokusblüte auf dem Hündle in Oberstaufen

Die Tautropfen glitzern noch wie Perlen im Gras, als ich mit einem Freund zum Wandern in Oberstaufen aufbreche. Es ist der erste richtige Frühlingstag in diesem Jahr: Die Sonne scheint und die Frühlingsblumen entfalten sich. In weiten Teilen des Allgäus färben sich die Wiesen gelb mit Löwenzahn. Doch in Oberstaufen färbt sich das Hündle lila. Das Hündle ist ein Wandergebiet im südwestlichen Allgäu, in Bayern. Noch bevor die erste Gondel hinauffährt, beginnen wir die Wanderung zum Hündle. In etwa einer Stunde erreichen wir über die Asphaltstraße die Bergstation und wandern dann über einen Schotterweg weiter zum Hündlekopf. 1111 Meter hoch ist dieser Gipfel und von hier aus haben wir einen schönen Blick auf den Naturpark Nagelfluhkette mit dem markanten Hochgrat auf der einen Seite und die Salmaser Höhe mit dem Alpenvorland auf der anderen Seite. Auch der Alpsee in Immenstadt ist von hier aus gut zu sehen.

Auf dem Hündlekopf entdecken wir die ersten kleinen, weißen Krokusse. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was uns noch erwartet. Wir wandern ostwärts über den Bergrücken. Und dort beginnt das Frühlingsspektakel. Das frischgrüne Gras auf dem sanft geschwungenen Kamm ist mit Tausenden von lila Krokussen übersät. Es ist, als ob der Berg mit einem Blütenteppich bedeckt wäre. Und dazwischen summen überall Hummeln und Bienen. Wenn das keine Frühlingsgefühle weckt! Wir brauchen bestimmt eine Stunde, um den Kilometer zwischen den Krokusfeldern zurückzulegen. Manchmal lege ich mich auf den Bauch ins Gras, um den Kontrast zwischen dem gelben Stempel und den blau-violetten Blütenblättern zu fotografieren, dann setzen wir uns schweigend auf eine Bank und genießen dieses Naturschauspiel.

Möchtest du wissen, ob die Krokusse am Hündle schon blühen? Im Frühling wird der Krokusticker von Oberstaufen fast täglich aktualisiert, sodass du genau den richtigen Zeitpunkt zum Wandern erwischt.

Premiumwanderweg Wildes Wasser in Oberstaufen macht seinem Namen alle Ehre

Nachdem wir uns von den Krokussen losgerissen haben, wandern wir weiter in Richtung Osten, unter dem Hohen Teufellift hindurch zum Mittelbach. An diesem Bach im Wald biegen wir ab und wandern weiter in südwestlicher Richtung. Wir wandern nun auf dem Premiumwanderweg Wildes Wasser und ab hier macht er seinem Namen alle Ehre. Der Bach „beginnt“ mit einem kleinen Wasserfall, den man vom Wanderweg aus schnell übersieht. Wir folgen dem Bach eine Weile, der links von uns viel tiefer durch den Wald fließt. Nach einigen hundert Metern befinden wir uns auf gleicher Höhe mit dem Wasser, das von allen Seiten von kleinen Wasserläufen gespeist wird. Auch hier sind überall die ersten Anzeichen des Frühlings zu sehen: das Plätschern des Schmelzwassers natürlich, aber auch die Knospen an den Bäumen und der mit gelben und weißen Blüten übersäte Waldboden.

Nagelfluh Gestein Naturpark Nagelfluhkette

Auf diesem Wanderweg sieht man immer wieder Nagelfluh. Dies ist ein Gestein, das aufgrund seines Aussehens auch „Herrgottsbeton“ genannt wird. Das Nagelfluhgestein besteht aus Flusskieseln, die mit weicherem Gestein wie Kalk zu einem Konglomerat verbunden wurden. Es sieht aus, als ob die “Nagel“ so tief in den Felsen geschlagen worden sind, dass nur noch ihre Köpfe herausragen.

Wiesen voller Frühlingsblumen und ein versteckter Wasserfall

Anschließend überqueren wir das Wasser mit einer Holzbrücke und wandern auf einem Schotterweg zwischen Wiesen weiter. Jetzt weiß ich wieder genau, warum der Frühling vielleicht sogar meine Lieblingsjahreszeit in den Bergen ist. Die Wiesen sind frisch grün, überall blühen Blumen, Insekten summen. Und während es im Tal und auf den mittelhohen Bergen schon richtig Frühling ist, sind die höheren Gipfel noch mit Schnee bedeckt. So auch hier. Wir befinden uns auf etwa 1000 Metern Höhe im Naturpark Nagelfluhkette und hier erwacht die Natur so richtig. Aber zu unserer rechten Seite ragt der Hochgrat hoch über uns auf und dort ist es noch wirklich Winter. Ein herrlicher Anblick. Genau dieser Kontrast ist es, warum ich den Frühling in den Alpen so faszinierend finde.

Als wir weiter absteigen, sehe ich plötzlich einen kleinen Wasserfall zwischen den Bäumen. Wenn ich nicht so viel herumgeschaut hätte, hätte ich ihn vielleicht gar nicht gesehen, und ich frage mich, ob man ihn im Sommer durch die Bäume überhaupt sehen kann. „Sollen wir mal versuchen, ein bisschen näher heranzukommen?“ frage ich. Ja, natürlich. Also gehen wir durch den Bach auf den Wasserfall zu, und ja, wir kommen ganz nah ran. Ohne lange zu überlegen, tausche ich meine Wanderkleidung gegen einen Badeanzug und gehe ins Wasser. Erst halte ich mich noch vorsichtig an den Felsen fest, dann hüpfe ich in das „Sprudelbad“, wo der Wasserfall ins Becken fällt. „Bist du verrückt?“, lacht mein Wanderpartner, als ich mich anschließend im Wasser treiben lasse. Mit den Händen bewege ich mich leicht, so dass ich genau dort lande, wo die Sonne das Wasserbecken anstrahlt. Meine Haut wird langsam rot von der Kälte, aber das Lächeln verlässt mein Gesicht nicht. Der Bergsommer kann kommen!

Mehr Frühling im Allgäu erleben? In meinem Artikel über Frühlingstouren in Füssen gibt es ganz viel Wander- und Radelinspiration!

Wildes Wasser: die Buchenegger Wasserfälle in Oberstaufen

Wir wandern weiter durch den Wald. Auf den ersten Blick könnte man diesen Wald als „Chaoswald“ bezeichnen: Zwischen den imposanten Bäumen gibt es auch viele tote Holzstämme. Auf einer Informationstafel lesen wir, dass das Totholz seit mehreren Jahren nicht mehr geräumt wird. Nicht aus Faulheit, sondern weil Totholz ein kleines Biotop für sich ist. Denn wo Leben vergeht, entsteht neues Leben, zum Beispiel für Insekten und Pilze.

Als wir ein Zaun im Wald sehen, wissen wir, dass wir am nächsten Höhepunkt dieses Wanderweges in Oberstaufen angekommen sind: den Buchenegger Wasserfällen. Von unserer Höhe aus ist das Rauschen des Wassers nur noch zu hören. Wir steigen über einen schlammigen Pfad ab, biegen rechts ab und stehen plötzlich davor. Es ist einer der beeindruckendsten Wasserfälle, die ich je in Deutschland gesehen habe. Seit Tausenden von Jahren fließt hier die Weissach. Im Laufe der Zeit wurden die dazwischen liegenden weicheren Sandstein- und Mergelschichten durch die Kraft des Wassers erodiert und weggespült. Übrig geblieben ist das viel härtere Nagelfluhgestein. Dadurch entstanden Becken auf zwei verschiedenen Höhen, so dass der Wasserfall in zwei „Stufen“ mit dazwischen liegenden Wasserbecken in die Tiefe stürzt.

Wir setzen uns auf die Felsen am Wasser. Ich spüre die Kühle des Wassers und leichte Spritzer auf meinem Gesicht. Dort, wo der Wasserfall in das Becken stürzt, sprudelt er mit ungeheurer Wucht wieder hoch. Der Wasserdampf treibt über die Oberfläche und kleine Wellen schlagen gegen die Felswände. Es ist einfach faszinierend, diese Naturgewalt zu beobachten. Keine fünfzig Meter weiter verbreitert sich der Fluss wieder und Kinder spielen am Kiesstrand am Wasser. Dort überqueren wir das Wasser mit einer eisernen Hängebrücke und steigen wieder durch den Wald hinauf. Wir gehen links um den Hündlekopf herum, genießen noch eine Schorle auf der Terrasse von Seppl’s Gartenwirtschaft und wandern dann zurück ins Tal.

PS. Bei sommerlichen Temperaturen könnte man Lust bekommen, in den Buchenegger Wasserfällen zu baden. Aber Vorsicht: Das kann sehr gefährlich sein. Unterhalb des Wasserfalls befindet sich ein tiefes Becken, die sogenannte „Gumpe“. Die Kraft des Wasserfalls kann es schwierig machen, wieder nach oben zu gelangen. Auch das Springen von einem Becken zum anderen – das „Gumpen jucken“ – ist wegen der wechselnden Wasserstände nicht zu empfehlen.

Wanderung Krokusblüte am Hündle & Buchenegger Wasserfälle Oberstaufen

  • Distanz: 14,4 km
  • Höhenmeter: ↗ 460 m  ↘ 460 m
  • Schwierigkeitsgrad: T1-T2
  • Erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln: mit der Bahn bis Oberstaufen und mit der Buslinie 39 zwischen Oberstaufen und Immenstadt bis Haltestelle „Knechtenhofen/Hündlelift“.
  • Gastronomie: Man kommt an mehreren Alpen vorbei (Brot, kalte Speisen, Kuchen und Kaffee)
Route Wanderung Hündle Krokusblüte Hündle und Buchenegger Wasserfälle Oberstaufen

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